So setze ich meine Hobbies im Lebenslauf richtig ein

Von belanglos bis extrem - welche Hobbies sind sinnvoll, welche nicht?
05. Februar 2020 redaktion Allgemein, Bewerbungstipps, Ratgeber, Ausbildung
So setze ich meine Hobbies im Lebenslauf richtig ein
Wer relevante Hobbys im Lebenslauf erwähnt, kann Personalfachkräften ein besseres Bild von sich vermitteln. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Ob Stricken, Streaming oder Skilaufen: Jeder hat etwas, womit er sich besonders gern beschäftigt. Doch welche Rolle spielen Hobbys und Interessen, wenn es darum geht, einen Job zu ergattern?

 

Berlin/Kerpen (dpa/tmn) - Im Lebenslauf können manche Angaben für eine Bewerbung hilfreich sein, andere sind mit Vorsicht zu genießen. Hobbys sind erstmal kein Muss. An erster Stelle steht für Personaler die fachliche Eignung, die sich aus der beruflichen Erfahrung und dem Bildungsweg ergibt. Wer jedoch auch seine Interessen angibt, kann dazu beitragen, bei Personalfachkräften ein rundes Bild zu erzeugen.

 

«Da der Bewerber in die Unternehmenskultur passen muss, wird natürlich auch auf die Persönlichkeit geachtet», sagt Yasmin Kurzhals, Präsidiumsmitglied im Bundesverband der Personalmanager und Personalchefin beim Kreditanbieter Auxmoney.

 

Fachlicher und persönlicher Fit

Kurzhals verweist auf die große Rolle der sogenannten psychologischen Sicherheit für ein erfolgreiches Miteinander im Betrieb. Das Vertrauen der Teammitglieder untereinander sei einer Studie zufolge eines der wichtigsten Kriterien für die Leistung und den Erfolg von Teams. «Im Bewerbungsprozess wird zunehmend auf beides geachtet: den fachlichen Fit und den persönlichen Fit», so die Personalexpertin.

 

Was bedeutet das für Bewerber? Jochen Mai, Autor und Chefredakteur von «Karrierebibel.de» empfiehlt, bei der Entscheidung die Relevanz zu prüfen: «Welche soziale Kompetenz vermittelt das Hobby, und inwieweit ist diese Kompetenz von Bedeutung für die anvisierte Stelle?» Eine Teamsportart oder ein ehrenamtliches Engagement erzeuge beispielsweise immer einen guten Eindruck.

 

Bei Extremsportarten ist Vorsicht geboten

Mit Extremsportarten sollte hingegen vorsichtig verfahren werden. «Gefährliche Hobbys treiben Personalern schon mal Angstperlen auf die Stirn: Fällt der Bewerber dann häufiger mal mit gegipsten Armen aus? Oder neigt er auch im Job zu risikoreichem Vorgehen?», erklärt Mai. Allerdings könne Adrenalin-Affinität und ein geübter Umgang mit Stresssituationen in manchen Berufen auch einen Vorteil bringen.

 

Auch ob es sinnvoll ist, kreative oder handwerkliche Interessen anzugeben, hängt von dem jeweiligen Beruf ab. Jochen Mai macht vor allem auf die Unterscheidung zwischen Soft Skills und Hard Skills aufmerksam: «Kenntnisse im Nähen stellen im Modebereich eindeutig einen Hard Skill dar, der nicht bei Hobbys, sondern im Lebenslauf weiter oben unter besonderen Kenntnissen aufzuführen ist.»

 

Auch die intensive Nutzung von Plattformen wie Instagram könne unter Umständen bei Bewerbungen im PR-Bereich unter besonderen Kenntnissen angeführt werden. Zum Beispiel dann, wenn über den passiven Konsum der Sozialen Medien hinaus bereits intakte Netzwerke mit Influencern bestehen, die ausgebaut und beruflich nutzbar gemacht werden können.

 

Belanglos: Lesen, Freunde treffen, Musik hören

Da es bei der Angabe der Hobbys immer um Persönlichkeitsmerkmale und Soft Skills geht, empfehlen sich manche beliebte und eigentlich angesehene Freizeitbeschäftigungen nicht für die Eigendarstellung im Lebenslauf: «Lesen, Freunde treffen, Musik hören sind zu sehr Standard und zu wenig aussagekräftig», sagt Yasmin Kurzhals.

 

Netflix, Kino oder PC-Spiele als Angaben werden tendenziell eher als passiv oder eigenbrötlerisch wahrgenommen. Das Beherrschen eines Instruments oder die intensive Auseinandersetzung mit einer spezifischen Literatur- oder Filmrichtung kann hingegen wieder einen Pluspunkt darstellen und je nach Berufsbild relevante Persönlichkeitsmerkmale suggerieren.

 

Konkrete Erfolge erwähnen

Auch ein oder zwei ausgewählte, konkrete Erfolge in einem Hobby dürfen im Lebenslauf erwähnt werden, sind sich Kurzhals und Mai einig. So kann zum Beispiel eine gute Marathonplatzierung auf eine zielorientierte Herangehensweise und Durchhaltevermögen hindeuten.

 

Kurzhals zufolge hat die Forschung einen Zusammenhang zwischen einer derartigen Persönlichkeitsdisposition und einer zielorientierten Herangehensweise im Job aufgezeigt: «Persönlichkeitsmerkmale erwiesen sich demnach als stabil, sowohl in chronologischer Hinsicht als auch situationsübergreifend.»

 

Der Marathon kann also schon eine Weile zurückliegen - der Erfolg an sich sagt dennoch etwas über den Charakter aus. Und die Hartnäckigkeit, die zum Erreichen des Ziel notwendig war, ist nicht nur auf Hobbys beschränkt, sondern tritt wahrscheinlich auch im Berufsleben zutage.

 

Der Job im Mittelpunkt - nicht das Hobby

Ein Fauxpas, der Jobanwärtern im Interview laut den Bewerbungsprofis häufig unterläuft, ist übermäßige Inbrunst, wenn das Gespräch sich den persönlichen Interessen zuwendet. Mai rät daher, von den Hobbys nicht enthusiastischer zu sprechen als von dem Job. Außerdem sollte bei der Angabe von Interessen und Hobbys nicht geflunkert oder zu dick aufgetischt werden. Kochen als Hobby anzugeben und dann im Interview über das Familienrezept für die beste Bolognese hinaus nichts vorweisen zu können, kann einem schnell vor die Füße fallen.

 

Bleibt man aber bei der Wahrheit, führt sich bei der Entscheidung die jeweilige Relevanz des Hobbys vor Augen und bringt gegebenenfalls Mut zur Lücke auf, kann die Zusatzinfo im Lebenslauf womöglich dafür entscheidend sein, um eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu erhalten.

 

Von Felix Klostermeyer, dpa

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