EF Sprachreisen zahlt nicht mehr

Anbieter internationaler Sprachschulen möglicherweise zahlungsunfähig
11. Juni 2020 redaktion Allgemein
EF Sprachreisen zahlt nicht mehr
Noch wirbt EF auf seinen Internetseiten für weltweite Sprachreisen. FOTO: Screenshot

Tausende junge Schülerinnen und Schüler hatten sich in diesem Sommer auf eine Sprachreise mit dem bekannten Anbieter EF gefreut. Viele von ihnen haben neben der Schule extra kleinere Jobs angenommen, um sich die Traumreise erfüllen zu können. Jetzt ist vielerorts die Enttäuschung groß. Aufgrund der weltweiten Reisewarnung können viele Reisen nicht stattfinden.

 

Zur Enttäuschung kommt bei vielen Schülerinnen und Schülern auch noch Wut hinzu. EF weigert sich rechtswidrig, bereits geleistete Zahlungen zu erstatten. Stattdessen versucht man die Betroffenen zu nötigen, eine Umbuchung vorzunehmen oder einen Gutschein zu akzeptieren.

 

„Die aktuelle weltweite Lage ist für uns alle schwierig und richtet für viele Unternehmen und Einzelpersonen große wirtschaftliche Schäden an. Daher hat unsere Firmenzentrale in der Schweiz final entschieden, ähnlich wie die meisten Airlines und Reiseveranstalter, die Stornierungen nur mit Gutscheinen vorzunehmen. Eine Erstattung kann demnach leider nicht erfolgen.“,  heißt es lapidar in einer Stellungnahme des EF Kundenservices, die JOBWOCHE vorliegt.

 

Nach Einschätzung der Rechtsabteilung der Karrierezeitung „JOBWOCHE“ sollten sich Schüler und Schülerinnen bzw. ihre Eltern keinesfalls auf eine solche Lösung einlassen, sondern auf ihr Recht auf Erstattung des Reisepreises bestehen.

 

Sven Wolter-Rousseaux, Chefredakteur der JOBWOCHE: „Es ist egal, wo EF seinen Hauptsitz hat. Tatsächlich handelt es sich um einen Pauschalreisevertrag, der in meisten Fällen durch Vermittlung der „EF EDUCATION (Deutschland) GmbH“ zustande gekommen ist. Liegen Ab- und Ankunftsflughafen zudem innerhalb der EU, gilt uneingeschränkt das deutsche bzw. europäische Reiserecht. Das Recht der Verbraucher auf Erstattung für abgesagte Reisen ist hier zwingend festgeschrieben und wurde erst kürzlich von der Europäischen Kommission erneut bestätigt.“

 

Das Verhalten von EF erhärtet nach Auffassung der Redaktion den Verdacht, dass der Sprachreiseanbieter zahlungsunfähig oder sogar insolvent sein könnte. In diesem Fall würde der Sicherungsschein für Pauschalreisen, den jeder Reisende erhalten haben sollte, zum Zuge kommen. Nach Aussagen der HanseMerkur Reiseversicherung AG tritt die Versicherung aber erst in Kraft, wenn der Reiseveranstalter, also EF, auch tatsächlich Insolvenz anmeldet und die zugesagten Leistungen nicht mehr erbringt.

 

Wolter-Rousseaux empfiehlt daher, auf keinen Fall einen Gutschein anzunehmen, da nicht abzusehen ist, ob EF zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt wieder alle geplante Reisen durchführen kann. Zudem erlischt der Sicherungsschein der ursprünglichen Reise nach  Annahme eines Gutscheins. Sicherer ist es nach Auffassung des Chefredakteurs der JOBWOCHE, einen Anwalt für Reiserecht einzuschalten, sofern EF keine Erstattung für ausgefallene Reisen vornehmen will. Das habe zwei Vorteile, so Wolter-Rousseaux: „Entweder sind noch Gelder vorhanden, dann kommt man schneller zu einer Rückerstattung. Ist der Konzern aber tatsächlich zahlungsunfähig, muss er Insolvenz anmelden und dann greift der Sicherungsschein.“

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